Freitag, 26. März 2010

Schlägerei im türkischen Parlament

5.02.2010
Gestern kam es zu einem Eklat im türkischen Parlament, und obwohl es im ganzen Land kein anderes Thema mehr gibt, darf man im westlichen Tal der Ahnungslosen vorerst nichts davon wissen.

Wären das nicht gleich mehrere Schlagzeilen wert? Müssten nicht die Nachrichtenticker der Westlichen Welt genüsslich darüber berichten, wie es zu einer im wahrsten Sinn des Wortes Faust-dicken Schlägerei gestern Abend im türkischen Parlament kam? Ein Abgeordneter, der eine Herzattacke erlitt, wurde anschließend ins Krankenhaus gefahren, mehrere Abgeordnete haben zerbrochene Brillen. Was aber war geschehen, und warum hält die Westliche Welt jene Nachricht vorerst zurück?

Im Parlament hatte ein Abgeordneter ein Ereignis geschildert, mit dem er die Regierung angreifen wollte. Ein sehr berühmter türkischer Künstler war aufgrund einer Krankheit in ein größtenteils von Militärs betriebenes Krankenhaus eingewiesen worden. Die Familie jenes Künstlers ist mit der Familie der Ehefrau Emine des Ministerpräsidenten Erdogan schon seit Jahrzehnten gut befreundet (auch vor ihrer Ehe mit Erdogan). Emine rief die Ehefrau des Künstlers an und wollte – wie es im Islam zu der !Pflicht! von nahen Freunden gehört – einen Krankenbesuch abstatten. Die Familie des Kranken war erfreut und wartete auf den Gast. Allerdings fragte man sicherheitshalber bei den Ärzten nach, ob es Probleme angesichts des prominenten Gastes gäben könnte. Die Halbgötter in weiß – und die fühlen sich in der Türkei in solchen Positionen häufig viel “göttlicher“ als ihre Berufskollegen in z.B. Deutschland – sahen keine Probleme aufgrund der Prominenz, verwiesen aber auf das Kopftuch der Ministerpräsidentengattin und dass solch eine Kleidung ungeeignet sei für solch ein Krankenhaus. Daraufhin rief die Familie des Kranken die auf dem Weg befindliche Besucherin an und bat darum, dass man sich “vor“ dem Krankenhaus trifft, aber nicht darin, was dann auch so praktiziert wurde an diesem kalten Wintertag.

Dieses Ereignis wurde gestern im Parlament von einem Abgeordneten der sich den Grauen Wölfen nahe fühlenden Partei geschildert. Aber dessen Absichten bestanden darin, den Ministerpräsidenten zu beleidigen (warum seine Frau auf dem Kopftuch bestehe). Während der Rede behauptete der Redner dann auch noch – um die Sache etwas zu verschärfen – dass der Ministerpräsident von seinen Anhängern wie ein Prophet behandelt werden würde; ein Eklat in einem muslimischen Land, in dem es nur einen letzten Propheten gibt. Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass jene ultra-nationalistischen Grauen Wölfe nichts gegen das Kopftuch hatten, bis der Ministerpräsident einen fairen Ausgleich mit den Kurden im Land angestrebt hat!

Der gescholtene Ministerpräsident trat dann vor das Mikrofon, um auf diese Vorwürfe gegen sich und seine Ehefrau nicht auf sich beruhen zu lassen und wollte auf die Situation im Land, auf Freiheitsrechte, auf Besuchsrechte usw. eingehen, aber er kam kaum zu Wort. Lautstark wurde er von der Oppositionsbank angegriffen. Die ihre Chance witternden “Linke“, so weit man in der Türkei jene Partei überhaupt so nennen kann angesichts ihrer militärnahen Gesinnung, verbündete sich ebenfalls lautstark mit den Ultrarechten und es kam zu solch einem Wortduell, in dem Beschimpfungen und Angriffe auf Persönlichkeitsrechte noch das Harmloseste waren. Mehrere Abgeordnete forderten den Ministerpräsidenten lautstark auf, doch mit ihm „nach draußen“ zu gehen, um die Angelegenheit „draußen zu klären“. Obwohl der Ministerpräsident selbst am Mikrofon stand, war seine Stimme kaum zu hören gegen das Gebrüll von den Abgeordnetenbänken. Die Parlamentspräsidentin war hoffnungslos überfordert und ihre mehrfachen Ordnungsrufe wurden schlichtweg ignoriert. Am Ende sah sie sich gezwungen, die Rede des Ministerpräsidenten abzubrechen und die Sitzung für 10 Minuten zu unterbrechen in der Hoffnung, dass sich die Gemüter beruhigen würden. Diese Entscheidung stellte sich allerdings als folgenschwerer Fehler heraus, der dann zu der Massenschlägerei innerhalb des Parlaments führte.

Aus nachvollziehbaren Gründen war die Schlägerei, und wie es dazu kam, das einzige Thema des Folgetages. Aber warum gibt es in der gesamten deutschen Presse kein einziges Wörtchen darüber, noch nicht einmal in einer Nebennotiz? Gibt man heute um 13:30 in Google News den Namen Erdogan ein, gibt es nicht einen einzigen Treffer bezüglich des Eklats! Was also ist der Grund dafür? Warum dürfen die Menschen im Tal der Ahnungslosen wieder einmal etwas nichts erfahren? Jetzt könnte man argumentieren, dass eine Schlägerei im türkischen Parlament keine erwähnenswerte Nachricht sei, aber selbst Schlägereien in Parlamenten von Ländern, über deren Existenz die meisten Deutschen wenig wissen, werden gezeigt, allein schon aufgrund des “Unterhaltungswertes“ und es wird darüber berichtet. Was also ist der Grund, warum diese Schlägerei zumindest eine Weile “zurückgehalten“ wird?

Der Grund könnte darin liegen, dass die in der Westlichen Welt vorgesehene Verteilung von Opfer und Täter hier auf den Kopf gestellt wird. Täter sind “Rechte“ und “Linke“ Hand in Hand und gemeinsam in faschistischer Manier! Opfer sind Muslime, sowohl in einem Krankenhaus, als auch als Besucher von Kranken, als auch im Parlament! Und solch eine Rollenverteilung passt der Berichterstattung der Westlichen Welt absolut nicht!

Der Krankenhaus-Kopftuch-Eklat im türkischen Parlament ist sicherlich nicht weltbewegend. Aber die Ereignisse sind sehr symbolträchtig für die Entwicklung dieser Welt. Denn es ist tatsächlich eine sich zunehmend zionistisch gebärende Linke und eine sich zunehmend faschistisch aufspielende Rechte, die gemeinsam den Kapitalismus zu retten versuchen (die einen durch Umverteilung, die anderen durch Nationalismus), aber beide sich darin einig sind, dass das bestehende Geldsystem, die Zinswirtschaft des Kapitalismus, prinzipiell nicht anzutasten sind. Und es gibt derzeit nur eine einzige Ideologie in der ganzen Welt, welche dieses unmenschliche Geldsystem, diesen menschenverachtenden Kapitalismus ideologisch gefährdet, und das ist der Islam. So wird ein einfacher verhinderter Krankenbesuch in der Türkei ein Symbol für eine ganze Welt, in der wir leben, ohne dass die Beteiligten es jemals vor hatten, solch eine Wirkung zu erzielen.

Es wurde aber noch ein sehr symbolhafter Hinweis deutlich, der Signalwirkung haben sollte. So manches Krankenhaus wird von Verrückten geführt, und das gilt nicht nur für Krankenhäuser in der Türkei oder gar für Krankenhäuser von körperlichen Leiden. Man könnte eher da Gefühl bekommen, dass die Krankenanstalten für das marode westliche Werte- und Geldsystem (die identisch sind), von Verrückten geführt werden, deren gesamtes ideologisches Potential nur noch im Verbieten des Kopftuches besteht.

Die Türkei muss ihre Probleme im Parlament selbst lösen und die Bürger Deutschlands müssen selbst ihre Medien befragen, warum bestimmte Nachrichten ganz offensichtlich – zumindest eine Weile – zurück gehalten werden. Aber den Muslimen bleibt nicht mehr viel Zeit ihre alternativen Wirtschaftsmodelle hinreichend vorzustellen, damit die verbliebenen Vernünftigen in den Westlichen Systemen einen Weg aus der Sackgasse für alle finden.

Quelle: Muslim-Markt