Dienstag, 29. Juni 2010

Zu den Ursachen des spontanen antisemitischen Zorns in Hannover

Ein weiteres schönes Beispiel, der üblichen Medienmanipulationen von Mein Parteibuch Blog

Am letzten Samstag (Anm.:19.06.2010) haben Presseberichten und der Polizei zufolge in Hannover Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene eine aus acht Frauen bestehende Tanzgruppe der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover bei einem öffentichen Auftritt auf dem “Internationalen Tag im Sahlkamp 2010″ mit Kieselsteinen beworfen, eine Tänzerin damit leicht verletzt, und dazu antisemitische Parolen gerufen, wobei auch ein Meganfon benutzt worden sein soll. Mit einigen Tagen Verspätung rollt nun eine antimuslimische Welle der Hasbara gegen den antisemitischen Zorn durch ganz Deutschland. Was die Medien nicht beantworten, ist die Frage, was die Ursachen des antisemitischen Zorns sind.
Es ist richtig, dass das Bewerfen von Menschen mit Steinen, wie groß oder klein sie auch sein mögen, und das Rufen antisemitischer Parolen, verdammenswert ist und völlig zurecht strafrechtlich verfolgt wird. Solche Taten verletzen Menschen und dienen nicht dem Frieden, sondern dem Schüren von Hass. Die Ursachen des antisemitischen Zorns lassen sich damit jedoch nicht beseitigen. Um die Ursachen zu beseitigen, ist es zuerst einmal notwendig, die Ursachen der Spannung zu erkennen, und dann mit Diskussionen und einer Aufarbeitung in den Medien an der Beseitigung der Spannung zu arbeiten. Leider machen die Medien genau das Gegenteil und schüren mit Halbwahrheiten, Lügen und Unterstellungen gezielt weitere Spannungen und weiteren Antisemitismus.
Der als Lügner bekannte Israel-Freund Richard Herzinger und seine Kollegen Martin Lutz, Claus Christian Malzahn und Johannes Wiedemann behaupten in Springers Welt:
Eine Gruppe von überwiegend muslimischen Kindern und Jugendlichen libanesischer, palästinensischer und iranischer Herkunft soll am Samstag bei einem Fest im Stadtteil Sahlkamp eine Tanzgruppe der Liberalen Jüdischen Gemeinde mit Steinen beworfen und „Juden raus!“ geschrien haben. Bisher konnte die Polizei als mutmaßliche Täter einen 14-jährigen Deutschen und einen 19-jährigen Nordafrikaner ermitteln. Nachdem eine Tänzerin leicht am Bein verletzt worden war, brach die Gruppe Chaverim (Freunde) ihren Auftritt ab.
So wird von der Welt gezielt Hass gegen Musime und Menschen libanesischer, palästinensischer und iranischer Herkunft geschürt. Die Polizei hat einen 14-jährigen Deutschen und einen 19-jährigen Nordafrikaner als Tatverdächtige ermittelt. Weitere Tatverdächtige wurden bisher nicht ermittelt. Doch der Artikel der Welt unterstellt einfach ohne jede Spur eines Beleges, die Täter seien “überwiegend” “muslimisch” und “libanesischer, palästinensischer und iranischer Herkunft”. Wer an eine ehrliche Presse in Deutschland glaubt, den mag es verwundern, dass den vier Journalisten ihre Worte nicht im Hals steckengeblieben sind. Wie kann es sein, dass keinem der vier Journalisten aufgefallen ist, was für unsinnige hasserzeugende Unterstellungen sie da verbreiten? Wer die Israel-Lobby und ihr systematisches Schüren antimuslimischen Hasses kennt, der wird diese unsinnigen Propganda-Lügen vermutlich eher für Absicht halten. Zu oft schon ist die Israel-Lobby mit unverschämten Lügen und hasserzeugenden Unterstellungen gegen Muslime aufgeflogen.
Im Artikel der Welt werden dann die Unterstellungen obendrein auch noch auf die Eltern übertragen und damit eine mediale Form der Sippenhaft praktiziert:
Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil … erklärte gestern auf einer Pressekonferenz in Hannover, man habe „keine Anhaltspunkte, dass es sich um eine von langer Hand oder von Organisationen vorbereitete Tat handelt“. Der Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, Michael Fürst, geht allerdings davon aus, „dass die Kinder zumindest mit Billigung, wenn nicht sogar auf Anweisung ihrer Eltern gehandelt haben“.
Damit versuchen Michael Fürst und die Welt völlig ohne jeden Beleg, aus Eltern der oben beleglos angeprangerten Bevölkerungsteile öffentlich Anstifter von Straftaten und damit selbst Straftäter zu machen. Während die Kinder und jungen Männer mit dem Vorwurf der Volksverhetzung verfolgt werden und die Presse den Vorfall ausgiebig thematisiert, haben Muslime und Mitbürger “libanesischer, palästinensischer und iranischer Herkunft” keine realistische Chance, sich effektiv gegen die massenmedial verbreitete Hetze der Springerpresse zu wehren oder wenigstens die Dinge richtig zu stellen. Selbst den Kommentarbereich zu dem Artikel, mit dem Leser auf die ungeheuerichen belegosen Unterstellungen ansonsten aufmerksam machen könnten, hat die Welt vorsichtshalber geschlossen.
Man muss kein Psychologe sein, um zu erkennen, dass das Gefühl der Ohnmächtigkeit, sich gegen die antimuslische Hetze der Springerpresse und des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen nicht wehren zu können, zur weiteren Entstehung von antisemitischem Zorn beiträgt. Solche Hetze von Springerpresse und jüdischen Gemeinden gegen Muslime ist eine Ursache von antisemitischem Zorn.
In dem Artikel des Springerverlags, wo Unterstützung für den zionistischen Apartheidstaat Israel Teil des Arbeitsvertrages ist, wird dann auch noch die Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, die geichzeitig Vizepräsidentin der Frontorganisation der Israel-Lobby World Jewish Congress ist, zum Schüren von Ressentiments gegen “in Deutschland lebende Muslime” mit dem Vehikel von “antiisraelischen und antisemitischen Ressentiments” damit zitiert, sie sei traurig gestimmt, dass “jene antisemitischen Einstellungen bereits unter Kindern und Jugendlichen in dieser Vehemenz anzutreffen” seien. Was sie nicht sagt, ist dass sie, Charlotte Knobloch, einen gewichtigen Beitrag zum Schüren des Antisemitismus in Deutschland leistet.
Dadurch, dass Charlotte Knobloch sich als ranghöchste Vertreterin des institutionell Judentums in Deutschand mit den fortgesetzten Massakern Israels ständig und vorbehaltos solidarisiert, erweckt sie den Eindruck, das deutsche Judentum und der zionistische Schurkenstaat Israel seien eine Einheit, die gemeinsam die antimuslimischen Massaker des zionistischen Kolonialstaates in Nahost zelebrieren. Charlotte Knobloch könnte viel zum Abbau von Antisemitismus in Deutschland beitragen, in dem sie sich von den Verbrechen Israels im Namen des deutschen Judentums klar distanziert und sie ebenso deutlich verurteilt wie der überwiegende Teil der Menschheit. Doch Charlotte Knobloch und der ZdJ ziehen es - anders als die Edah Haredis in Jerusalem, Neturei Karta und die jüdischen Gemeinden in der Türkei und in Venezuela - vor, die von ihnen vertretenen Juden als Freunde von anti-islamischen Kriegen, grausamen Massakern, zionistischer Vertreibung und zynischen Propaganda-Lügen darzustellen. Die Darstellung der deutschen Juden als Freunde von zionistischen Verbrechen gegen Muslime durch die Vertreter des organisierten Judentums in Deutschland ist eine weitere Ursache des anti-jüdischen, also antisemitischen, Zorns.
Der großen Empörung der Massenmedien folgt die Ernüchterung über das wirkliche Ausmaß der von nicht Rechtsextremisten ausgehenden antisemitischen Gewalt:
Der Vorfall war nach Angaben der Polizei die erste antisemitische Gewalttat im Großraum Hannover in diesem Jahr, die nicht von Rechtsextremisten verübt wurde.
Die Fakten passen nicht zum Ton der antimuslischen Propaganda in den Massenmedien. Die Tat vom letzten Samstag, bei der eine Frau durch einen Kieselsteinwurf leicht am Bein verletzt wurde, war also nach Angaben der Polizei die erste und einzige antisemitische Gewalttat im Großraum Hannover in diesem Jahr, die nicht von Rechtsextremisten verübt wurde.
Aber weiter macht die Welt mit der gezielten Vermischung von legitimer Kritik an den Verbrechen Israels und Antisemitismus:
Allerdings fanden auch in der Vergangenheit bereits „israelfeindliche Demonstrationen und Aktionen außerhalb des rechtsextremistischen Spektrums in Niedersachsen statt“, wie der stellvertretende Verfassungsschutzpräsident Dirk Verleger WELT ONLINE sagte, zum Beispiel in Salzgitter und Peine.
Das Einbetten von Kritik an Verbrechen Israels in den Kontext von Antisemitismus, mit dem Muslime regelmäßig in den Massenmedien beleidigt werden, ist eine weitere Quelle von echtem Antisemitismus. Ein weiteres Lehrstück über die Entstehung von Antisemitismus bietet auch der vorletzte Absatz:
Auch Levi Salomon, Antisemitismus-Beauftragter der Jüdischen Gemeinde Berlin, sieht in den Ereignissen in Hannover die Folge systematischer Hasspropaganda gegen Juden, die seit dem Vorfall um die Gaza-Flotille enorm zugenommen hat. Die Gemeinde hat dazu jüngst eine Dokumentation von erschreckenden Einträgen auf Internetblogs sowie bei Twitter und Facebook erstellt. Von Usern mit türkischen und arabischen Namen wurden viele Einträge verfasst wie: „Scheiß Juden, ich wünschte, Hitler hätte euch alle vergast.“
Levi Salomon und die jüdische Gemeinde Berlin haben offensichtlich keine “Hasspropaganda gegen Juden” in deutschen Massenmedien gefunden, denn sonst hätten sie sich vermutlich um die großen Kanonen gekümmert. Das ist kein Wunder, denn die Medien in Deutschland haben, wie auch dieser Welt-Artikel zeigt, eine enorme pro-israelische und islamfeindliche Schlagseite. Stattdessen bemühen sie Einträge aus anonymen Webdiensten wie Twitter und Facebook, um systematische Hasspropaganda gegen Juden zu belegen. Um die vielen übel rassistischen Beiträge in Massenmedien und anonymen Webdiensten, die von Freunden Israels verbreitet werden, kümmern sie sich nicht. Als Beleg dafür, dass die dokumentierten antisemitischen Beiträge von Muslimen verfasst wurden, dienen ihnen ebenso anonyme türkische und arabische Namen. Was dabei verschwiegen wird, ist, dass, wie Mein Parteibuch sebst in den letzten Monaten häufig erleben musste, Protagonisten des Staates Israel neben den allgegenwärtigen Beleidigungen als Faschist, die jeder Friedensaktivist in Palästina mehr als zur Genüge kennt, auch gezielt hässliche antisemitische Parolen verbreiten und dabei Pseudonyme von Personen benutzen, die sie als israelkritisch einschätzen, um so Israelkritiker als Antisemiten hinstellen zu können. Einen Beleg dafür, wie viele der dokumentierten antisemitischen Äußerungen von Gegnern Israels und wie viele von Protagonisten Israels stammen, bleibt Levi Salomon schuldig. Nichts wird auch dazu gesagt, ob die Trolle von Israel im Rahmen seiner geheimen Internet-Spam-Programme bezahlt wurden. Dass das Unterschieben zusammengefälschter antisemitischer Äußerungen zum Propaganda-Repertoire des israelischen Staates gehören, ist spätestens mit dem Eingeständnis der IDF bekannt, ein solche Äußerungen enthaltendes Audiotype manipuliert zu haben. Auch durch die pro-israeische Schlagseite der Massenmedien und das Unterschieben zusammengefälschter antisemitischer Äußerungen durch Israel und seine Israel-Lobby wird antisemitischer Zorn generiert.
In einem weiteren Artikel von Springers Welt kommt die Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover e. V. hatte Ingrid Wettberg selbst zu Wort, um ihre Meinung zu dem Vorfall vom Samstag kundzutun:
Die jüdische Gemeinde, zu der die Tanzgruppe gehört, wolle von einer eigenen Anzeige absehen. Sie wolle trotz der Vorfälle eine offene Gemeinde bleiben, sagte Wettberg: “Wir werden uns nicht zurückziehen, sondern weiter nach außen gehen, aber mit größerer Vorsicht.”
Keine Anzeige stellen zu wollen, ist sehr großherzig von der jüdischen Gemeinde. In Anbetracht der nur leichten Verletzung der Tänzerin wäre diese Großherzigkeit sicher ein vielversprechender Auftakt, um ohne weiteres böses Blut und Zwang mit dem Staatsknüppel mit Jugendlichen des Stadtviertels ins Gespräch zu kommen, dadurch zu echtem Verständnis füreinander zu kommen und antisemitischen Zorn abzubauen. Wären umgekehrt Muslime antimuslimisch beschimpft und mit Kiesesteinen attackiert worden, würde man einen solchen deeskalierenden Ansatz sicherlich begrüßen. Leider steht dem in diesem Fall, wie die Welt im selben Artikel berichtet, eine Strafanzeige wegen Volksverhetzung und Körperverletzung entgegen, die die Stadt Hannover erstattet habe. Das Erschweren einer Deeskalation unter Nachbarn einhergehend mit gegenseitigem Kennenlernen und Abbau von antisemitischen Zorn durch die von der Stadt Hannover gestellte Anzeige, ohne dass die Anzeige von den direkt Geschädigten gewollt ist, trägt sicherlich auch nicht dazu bei, antisemitischen Zorn abzubauen. Beim NDR ist der Teil der Nachicht allerdings mit einem etwas anderen Zungenschlag zu lesen:
Von einer eigenen Anzeige wolle die Gemeinde wegen der bereits erstatteten Anzeige der Stadt jedoch absehen.
Wenn das so ist, dann hätte der Verzicht auf eine Anzeige mit Großherzigkeit nichts zu tun. Doch auch die Liberale Jüdische Gemeinde Hannover hätte Grund, selbstkritisch in sich zu gehen. Ingrid Wettberg wird im weiteren indirekt zitiert:
Hintergrund der Attacke sei offenbar die politische Situation im Nahen Osten. Jüdische Menschen würden gleichgesetzt mit Israel, obwohl sie sich selbst als Deutsche sähen.
Dass der Hintergrund der Attacke offenbar die politische Situation in Nahost sei, könnte schon stimmen. Das hätte man auch deutlicher ausdrücken können. Zum Beispiel so: „Israel ist für sie der Inbegriff des Bösen.“ Und warum? Die politische Situation im nahen Osten ist so, dass Zionisten im nahen Osten im angemaßten Namen des Judentums mit brutaler Gewalt einen kolonalistischen Siedlerstaat errichtet haben, dabei die meisten der ursprünglichen Bewohner massakriert oder vertrieben haben, 1967 ihr Kolonialreich mit einem blutigen Angriffskrieg zur Eroberung von Jerusalem und weiterem Lebensraum im Osten vergrößert haben und die da lebende Bevölkerung seitdem nach allen Regeln der Kunst quälen, 1982 den Libanon mit einem Angriffskrieg verwüstet haben, 2003 einen Angriffskrieg der USA gegen den Irak mit Hunderttausenden von Toten angzettelt haben, 2006 per Angriffskrieg mehr als 1000 Menschen im Libanon ermordet haben, etwa zur selben Zeit aus Gaza ein riesiges Gefängnis gemacht haben, zur Jahreswende 2008/2009 mehr als 1000 Menschen in Gaza massakriert haben, auch dieses Jahr schon zahlreiche Palästinenser grundlos ermordet haben, seit Jahren einen Angriffskrieg gegen den Iran planen und soeben mindestens neun türkische Friedensaktivisten auf offener See mit 30 Schüssen aus Waffen des Kalibers 9mm ermordet und 48 weitere dabei mit Schusswunden verletzt haben. In Gesprächen könnten die Nachbarn den Mitgliedern der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover dann auch noch erzählen, wie die Opfer der Massaker des zionistischen Besatzungsregimes obendrein noch als Terroristen verleumdet werden.
Verwunderlich ist, dass Ingrid Wettberg offenbar nicht einmal die oben anhand des Beispiels der ZdJ-Chefin Charlotte Knobloch erläuterten Mechanismen der gezielten Vermischung von Zionismus und Judentum versteht, wie es kommt, dass jüdische Menschen mit Israel gleichgesetzt würden, obwohl sie sich selbst als Deutsche sähen. Daran, dass Ingrid Wettberg in ihrer Funktion als Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover e. V. die verlogene Kriegstreiber-Petition “Stop the Bomb” unterzeichnet hat, wird die Gleichsetzung sicherlich nicht liegen, denn das war sicher niemandem der Jugendlichen bekannt. Auch daran, dass Liberale Jüdische Gemeinde Hannover Mitglied des ZdJ ist und auf ihrer Webseite mit einer Partnerschaft mit der Pro-Israel-Organisation “Arzenu - Bund progressiver Zionisten in Deutschland” wirbt, wird es sicherlich nicht gelegen haben, dass der Zorn über die Verbrechen des zionistischen Regimes auf die Tänzerinnen der jüdischen Gemeinde übertragen wurde, denn auch das wird bei deren Auftritt vermutlich niemandem bekannt gewesen sein. Ganz sicher jedoch wird neben der Propaganda von Vertretern des Judentums wie Charlotte Knobloch bei der Projektion der Verbrechen Israels auf die Tänzerinnen eine Rolle gespielt haben, dass, wie die HNA schreibt, “die Gruppe der jüdischen Gemeinde mit israelischen Tänzen angekündigt wurde”. Wenn eine Kulturgruppe, die zu einer zur faktisch als Israel-Lobby tätigen Organisation ZdJ gehörenden Organisation gehört, mit israelischen Tänzen angekündigt wird, dann liegt das Missverständnis nahe, dass die Tänzerinnen dazu da sind, kulturelle Propaganda-Dienste für den Apartheidstaat Israel zu leisten.
So ein Missverständnis wäre sicherlich vermeidbar gewesen, indem die Tänzerinnen oder der Veranstalter vor der Aufführung von “israelischen Tänzen” - was immer das sein mag - ein Wort dazu gesagt hätten, dass die Tänzerinnen nicht mit Israel gleichgesetzt werden möchten und sich von den im angemaßten Namen des Judentums begangenen Verbrechen des zionistischen Regimes distanzieren. Und wenn die Tanzgruppe dann noch anstelle von “israelischen Tänzen” jüdische Tänze aufgeführt hätte, dann wäre daran wirklich nichts auszusetzen.
So falsch, strafwürdig und schädlich die Mittel der Kinder, Jugendlichen und jungen Männer waren, so legitim war es, gegen die Tanzdarbietung zu protestieren. Wenn vom Veranstalter angekündigt wird, dass eine zur Israel-Lobby ZdJ gehörende Gruppierung “israelische Tänze” aufführt, dann kann man durchaus daran denken, dass der Tanzspaß auf Kosten der Gefühle der Opfer des zionistischen Schreckensregimes stattfindet. Wäre der Protest friedlich und ohne antisemitische und volksverhetzende Entgleisungen erfolgt, dann hätte das eine gelungene BDS-Aktion in Deutschland sein können. Oberbürgermeister Stefan Weil sagte laut HNA, er habe keine Anhaltspunkte, dass es sich um eine von langer Hand oder von Organisationen vorbereitete Tat handelt. Der Protest war sicherlich spontan, denn wäre er geplant gewesen, so hätten sich die Planer Gedanken machen können, einen phantasievollen, friedlichen und gesetzestreuen Protest gegen die “israelischen Tänze” zu organisieren.
Damit wenigstens für die Zukunft etwas besseres herauskommt, müssten nun ehrliche Gespräche und offene Diskussionen folgen. Danach sieht es bisher leider nicht aus. Stattdessen gibt es gerade antimuslimische Medienhetze, die gezielt weitere Spannungen schürt und aller Voraussicht nach zu weiterem Antisemitismus führen wird. Im HNA-Artikel wird angekündigt, dass nach den Ferien Schulprojekte zum Thema Israel und der arabischen Welt anlaufen sollen. Dass so etwas erfolgreich sein wird, darf getrost bezweifelt werden.
Mit noch mehr Gehirnwäsche lassen sich die ständigen Verbrechen Israels nicht mehr weglügen und weißwaschen. Jedes Kind, das im Internet surft, die Bilder des türkischen Fernsehens, Al Jazeera oder Press TV sehen kann, und nicht nur die von der Israel-Lobby in den deutschsprachigen Massenmedien kennt, durchschaut die Lügen der israelischen Hasbara. Schulische Gehirnwäsche wird den Konflikt bloß vertiefen. Damit die Aufarbeitung des Nahostkonfliktes in der Schule erfolgreich sein kann, müssten die Schüler die Gelegenheit bekommen, den Lehrern etwas über die endlosen Lügen der Hasbara beizubringen, anstelle wegen mangelnder Unterwürfigkeit gegenüber dem Apartheidstaat Israel bestraft zu werden. Was Lehrer Schülern beibringen können und sollten, damit sich unerfreuliche Geschehnisse wie am letzten Samstag nicht wiederholen, ist, wie friedlich und effektiv protestiert werden kann und dass friedliche Proteste im Gegensatz zu Gewalt Erfolg versprechen.
Was auf Seiten der Protestierenden nötig ist, um den Antisemitismus zu bekämpfen, ist den Protestierenden, die antisemitische oder volksverhetzende Parolen gerufen haben, sofern die mediale und polizeiliche Anschudigung, dass das passiert ist, überhaupt der Wahrheit entspricht, beizubringen, dass die Religion Judentum und die Ideologie Zionismus nicht geichzusetzen sind und gerade Antisemitismus die verdorbene Nahrung ist, von der der Zionismus sich seit jeher genährt hat und die ihn immer noch speist. Es ist weiterhin nötig, zu zeigen, dass es zahlreiche Juden gibt, die genauso empört über die ganzen vom zionistischen Regime begangenen Verbrechen sind wie Muslime und das Leid der Muslime teilen.
Was von Seiten der Politik nötig ist, um den Kern des Problems zu beseitigen, ist, anstelle sich zum Komplizen israelischer Verbrechen zu machen, viel mehr Druck auf den Schurkenstaat Israel zu machen, damit der Nahostkonflikt, der die religiös verbrämten Spannungen immer weiter anfacht, endlich zu einem gerechten Frieden gebracht werden kann. Was außerdem unabdingbar zur Bekämpfung des Antisemitismus in Deutschland ist, ist, dass die Massenmedien und die offiziellen Repräsentanten des Judentums in Deutschland aufhören, mit zionistischen Lügen, platten Unterstellungen und anti-islamischer Hetze gezielt Antisemitismus zu schüren.
Nachtrag 25.06.2010 00:00h: Dirk Hautkapp berichtet über die “Empörung” und Ermittlungsfortschritte im WAZ-Westen:
Gestern wurden vier weitere Verdächtige gefasst: ein Neun-, zwei Elf- und ein 16-Jähriger; alle mit arabischen Wurzeln. Der Verdacht, die Kinder könnten von ihren Eltern instrumentalisiert worden sein, hat sich laut Behörden bislang nicht erhärtet.
Das sind die Blut- und Boden-Kriterien, nach denen deutsche Massenmedien Menschen im Deutschland des Jahres 2010 klassifizieren. Die Verdächtigen hatten keinen arischen Großvater, sondern haben “arabische Wurzeln”. Im selben Artikel steht: “Aus einer Gruppe Heranwachsender aus meist iranischen, palästinensischen und libanesischen Familien flogen Kieselsteine auf die Bühne.” Wenn sie “arabische Wurzeln” aufweisen, dann sind neun- und elfjährige Kinder in deutschen Medien offenbar “Heranwachsend“. Und wenn Iran das Land ist, dass als nächstes überfallen werden soll, dann liegt Iran in deutschen Medien natürlich in Arabien. Wer wissen will, welch anti-islamischer Rassismus mit der massenmedialen Hetze geschürt wird, möge sich in dem Westen-Artikel mal die Kommentare anschauen.
Nachtrag 25.06.2010 14:30h: Die Polizei hat weitere Ermittlungserfolge bekannt gegeben:
Die Beamten haben heute drei weitere Tatverdächtige identifiziert. Es handelt sich um zwei zwölf und einen 13 Jahre alten Jungen. Die drei Kinder haben einen arabischen Migrationshintergrund. Die beiden Zwölfjährigen sind bereits im Zusammenhang mit Rohheitsdelikten polizeilich in Erscheinung getreten.
Weitere “Heranwachsende”, so wie sie die Presse genannt hat, sind also wieder nicht unter den Tatverdächtigen. Mit den neun gefährlichen Tatverdächtigen im Alter von 9, 11, 11, 12, 12, 13, 14, 16 und 19 Jahren dürfte die Polizei nun alle Verdächtigen beisammen haben. Der nicht-arische Großvater der Kinder wird entsprechend den modernen Sprachregelungen zur arischen Blut- und Bodenideologie von der Polizei politisch korrekt als “arabischer Migrationshintergrund” bezeichnet. Kinder, die an der unheilbaren Krankheit “persischer Migrationshintergrund” leiden, sind offenbar nicht unter den Tatverdächtigen, und das, obwohl in den Presseberichten der zur pro-israelischen Propaganda-Outlets immer wieder von “Heranwachsenden” “aus meist iranischen, palästinensischen und libanesischen Familien” die Rede war. Tatsächlich ist nicht ein einziger “Heranwachsender” aus einer iranischen, palästinensischen und libanesischen Familie unter den Tatverdächtigen. Eine Richtigstellung der Hetzmedien, die mit dieser Falschbehauptung massenhaft iranische, palästinensische und libanesische Familien verleumdet hatten, ist bislang nicht erfolgt.
Nachtrag 25.05.2010 22:00h: Springerpresse investigativ. Die Welt hat die Drahtzieher der Attacke “entlarvt“:
… der zwölfjährige Ferdi aus der Türkei, der mit seiner Schwester Songül den Vorfall selbst miterlebte. Die Geschwister sind sicher: Anstifter seien zwei Brüder im Alter von gerade mal elf und acht Jahren aus dem Libanon gewesen.
Kommen jetzt die Kinder sowie in Israel als Terroristen in den Hochsicherheitstrakt? Dass die Tänzerinnen mit “israelischen Tänzen” anmoderiert wurden, verschweigt die Welt nach wie vor. Denn sonst könnte man womöglich fragen, warum viele Libanesen so sauer auf Israel sind und dann erkennen, dass für Zigtausende Tote und viele Jahrzehnte des Krieges im Libanon verantwortlich ist.